Undercover Boss – Dauerwerbesendung mit fadem Beigeschmack

Quelle: Wikipedia


Einen “perfekten Start” bescheinigen derzeit diverse TV-Webseiten dem neuen RTL-Format “Undercover Boss” – kein Wunder, immerhin 6,2 Millionen Zuschauer wollten die neue Sendung sehen, bei der ein “Boss” inkognito in sein eigenes Unternehmen geschleust wird, “niedere Arbeiten” verrichtet und seine Mitarbeiter auf den Zahn fühlt. Was in den USA (immerhin erfolgreichste Serien-Premiere seit 1987!), UK und Australien so erfolgreich lief, soll jetzt auf Deutschland adaptiert werden. Verantwortlich für die deutsche Produktion zeichnet sich übrigens die Produktionsfirma MME, die bereits diverse Erfolgsformate abgedreht hat – sei es “Bauer sucht Frau”, “Einsatz in 4 Wänden” oder die Dauerbrenner “Zwei bei Kalwass” und “Richterin Barbara Salesch”. Was bei “Einsatz in 4 Wänden” noch relativ suggestiv stattfindet, hat man jedoch jetzt bei “Undercover Boss” auf die Spitze getrieben. Sieht man bei der Sendung rund um Raumausstatterin Tine Wittler eher “zufällig”, dass die Möbel von IKEA stammen oder die Websites der Handwerker, die natürlich nur zufällig auf den T-Shirts von Maurer, Klempner und Co auftauchen, so wirkte die erste Folge von “Undercover Boss” wie eine perfekt gescriptete Dauerwerbesendung für Eismann.

Quelle: Wikipedia

“Boss” Mika Ramm – übrigens gar nicht sooo sehr Boss wie man in den Anfangs- und Endszenen am ovalen Tisch mit versammelter Führungsebene denken konnte – verwandelte sich in Rico Meissner mit ungepflegtem Bart, Baseball-Cap und Brille. Sein Ziel: Missstände aufdecken und seinen “Untergebenen” mal auf den Zahn fühlen. Als Ausrede dafür, dass ein 08/15 Mitarbeiter von mehreren Kamerateams begleitet wird hatte man sich ebenfalls was einfallen lassen: Angeblich sei “Rico” auf Jobsuche und man begleite ihn um zu zeigen, wie unterschiedlich die Jobprofile und Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sind.

Aber Moment – genau da musste der geneigte TV-Zuschauer merken, dass das Konzept ad absurdum geführt wurde: Wer konnte zu diesem Zeitpunkt ernsthaft erwarten, dass Eismann-Mitarbeiter tatsächlich mal richtig vom Leder ziehen würde? Es ist doch völlig egal, welche Person in das Unternehmen “eingeschleust” wird: Kamera bleibt Kamera und mit ihr verbunden das Risiko, dass die Führungsschicht das Material am Ende natürlich doch zu sehen bekommt. Entsprechend harmlos und zurückhaltend waren dann auch die Reaktionen der “Paten” – bis auf Rollimann Traut, der jeden Tag unbezahlt Überstunden schiebt und dessen Stelle vor Jahren bereits faktisch gestrichen war verkaufte RTL seinen Zuschauern die heile Eismann-Welt. Motivierte Mitarbeiter, motivierte und motivierende Vorgesetzte, die nach Tageszielen fragen und als Antwort “das bestmögliche schaffen” bekomen. Klar, alle haben sich lieb.

Für mich bleibt ein fader Beigeschmack – von Minute 1 bis zum Schluss fühlte sich das Ganze an wie eine gescriptete Doku-Soap, von und für Eismann. Selbstverständlich gibt es gute PR-Formate, doch allein das Ende der Sendung war an Heuchelei kaum zu überbieten.  Alle “bespitzelten” Mitarbeiter wurden in die Eismann-Zentrale eingeladen und wahlweise befördert oder – wie im Falle Traut – mit einem Geschenk bedacht. Aber nicht mit einer Aufstockung seiner Stundenzahl bzw. mit einer Bezahlung seiner Überstunden – nein, eine Woche Ägypten All-Inklusiv soll es sein. Wirklich bitter, erst recht unter der Prämisse, dass im Hause Ramm VOSS-Wasser (eine Flasche dieses “Design-Wassers” kostet mehr als das, was ein Hartz IV-Empfänger pro Tag insgesamt ausgeben kann) steht, und der werte Herr natürlich einen Mercedes-Luxusschlitten fährt.

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3 Responses to “Undercover Boss – Dauerwerbesendung mit fadem Beigeschmack”

  1. Thomas 30. März 2011 at 20:05 #

    Allein durch die Aussage vom “Rollimann” sollte man von Eismann Produkten die Finger lassen, um die Ausbeutung nicht noch zu unterstützen.

    Also das mit der Woche Ägypten Urlaub, fand ich auch oberpeinlich und völlig unterirdisch – aber schön das so etwas auch gezeigt wurde, da wegen der Kamara lögischerweise ja nun nicht wirklich jemand den Mund gegen den Laden geöffnet hätte.

    Wollen wir mal hoffen, dass der “Rollimann” trotzdem seinen Job behält, oder ihn einer aus dem Sauladen raus holt.

  2. dante 30. März 2011 at 20:26 #

    Hallo Thomas, vielen Dank für deinen Kommentar.
    Eine Woche Ägypten All Inklusive – wie viel hat Eismann sich das wohl kosten lassen? Und diese Summe in Relation zum Umsatz ist echt nur bitter.

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  1. Konsumpf » Dauerwerbesendung als Programm – RTL und der „Undercover Boss“ - 7. April 2011

    [...] die erste Folge auch von der Blogszene kritisch begleitet wurde. stef-online.net analyisiert in „Undercover Boss – Dauerwerbesendung mit fadem Beigeschmack“ das Wesen dieses verlogenen TV-Gedödels, das am Ende vor allem dazu dient, das jeweilige [...]

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